Marc Hofmann und Sascha BendiksGäste: Jess Jochimsen & Christina Lux (Köln) & Titus Waldenfels/Michael Reiserer (München)www.dasliedzumsonntag.com

Marc Hofmann und Sascha Bendiks Gäste: Jess Jochimsen & Christina Lux (Köln) & Titus Waldenfels/Michael Reiserer (München) www.dasliedzumsonntag.com

Die Lux, wie sich selbst nennt,  steht seit 30 Jahren auf den Musikbühnen der Republik. Ihre Stilrichtung umschreibt sie mit Acoustic – Soul – Folk – Philosophies. Besonders ihre in deutsch gesungenen Lieder wirken so intim, dass man das Gefühl hat, Christina Lux singt für einen ganz allein. Neben ihrem Leben als Musikerin gibt sie seit Jahren Workshops in Songwriting. 

Im Interview beschreibt die Liedermacherin  ihr Leben mit der Musik, was ihr besonders an ihren Workshops gefällt und gibt einen kleinen Einblick in die Situation der Musikbranche:

Wie sieht Dein Leben derzeit aus? Wie sind Deine Pläne für den Rest des Jahres?
Es stehen noch etwa 25 Konzerte an und dann erst einmal dringend Pause machen.  😉

Was empfiehlst Du Menschen, die ein Instrument erlernen wollen?
Einfach ausprobieren und immer darauf achten, ob es Freude macht. Nicht jedes Instrument passt jedem.

Was macht man, wenn man musikalisch ist, aber keine Noten lesen kann?
Dann macht man es wie ich und lernt ohne Noten nach Gehör. ‚Trial and error‘ ist nicht das schlechteste Prinzip. Dennoch hilft ein wenig Wissen im Zusammenspiel enorm.

Hast Du Lampenfieber? Wie gehst Du damit um?
Manchmal ja, manchmal nein. Da muss man einfach durch. Am besten weiter atmen und daran denken, dass es meist nach den ersten Tönen vergeht.

Ich musste als Kind Gitarre lernen; seit dem hasse ich dieses Instrument. Hast Du einen Tipp, wie ich mich dem wieder annähern könnte? Es ist schließlich ein sehr praktisches Instrument, welches sich leicht transportieren lässt.
Das lernen müssen ist ein Graus. Such dir jemanden, bei dem es wirklich Freude macht zu lernen. Es gibt auch so viele Tutorials im Netz. Probier es einfach aus.

Kannst Du Deine Konzertatmosphäre mal beschreiben?
Da muss ich passen, weil das natürlich immer sehr unterschiedlich ist. Was sich immer ähnelt ist die schöne Lauschatmosphäre. Ich bin „story teller“ und das ist es auch, was die Leute, die zu mir kommen schätzen.

Wie entstehen Deine Songs?
Auch so eine Frage, die sehr unterschiedlich beantwortet werden kann. Meist muss ein Thema in mir solang brennen, bis es ein paar Worte auf ein Blatt Papier wirft und dann geht es weiter. Die Akkorde kommen dann meist schnell dazu. Es geht aber auch andersherum. Erst die Musik und dann der Text.

Wie wichtig ist Dir Feedback beim Komponieren? Holst Du Dir welches oder brauchst Du kreative Ruhe?
Meist schreibe ich für mich und das feedback kommt erst, wenn es Auftritte mit der Band gibt oder ich an die neue Platte gehe. Ich muss runterkommen zum Schreiben.

Wie schätzt Du die Situation auf dem Musikmarkt ein? Allgemein und für Dich?
Ich habe Glück, dass es mich schon seit 30 Jahren gibt. Neuanfänger haben es schwer. Es ist ein massives Angebot da und man muss seine Nischen finden. Das ist nicht ohne. Da ich bisher immer alles selbst gewuppt hab, weiß ich was für ein Kraftakt das ist, zu bleiben. Du weißt nie, was kommt, wenn deine neue CD rauskommt. Kann sich bewegen oder auch nicht. Ohne Live zu spielen, gäbe es mich schon nicht mehr. Das Internet ist Fluch und Segen. Es ist alles möglich und nichts. Du kannst darin verschwinden oder plötzlich in Bewegung kommen. Leider haben alle gepennt, als es darum ging, wie man nun Musik auch gegen Bezahlung verbreitet und ein Wertgefühl erhalten bleibt. Solange ich Live-Publikum habe, wird es mich geben.

Die Lux

Die Lux – Foto: Privat

Was ist Deine persönliche Lieblingsmusik?
Ui, ich mag alles, was mein Herz berührt. Und das kann sehr unterschiedlichen Genres angehören. Ich mag keine kalte Musik, ich mag tolle Stimmen und innige Texte. Man kann mich aber genauso mit schöner Instrumentalmusik erreichen.

Wenn ich an Musiker auf der Bühne denke, muss ich auch an die ewigen Geschichten um Groupies denken. Wie sieht das bei Songwritern aus? Gibt es da die Kulturgroupies, die dem Star bei Wein und Küchentischphilosophie nahe sein möchten? Oder gibt es da keine Unterschiede zu den Rock’n Rollern?
Groupies sind was für Stars. Da wo ich mich bewege findest du so etwas eher weniger.

Was ist leichter? Gefühle durch Text oder durch Melodien auszudrücken?
Kann man nicht sagen. Geht beides, kann beides.

Wie würdest Du einem tauben Menschen Deine Musik greifbar machen?
Ich denke ich brächte einen Übersetzer für die Texte und eine dicke Bassbox.

Was Vorteile hat es allein auf der Bühne zu stehen, im Gegensatz zur Band?
Du bist sehr frei im Arrangement, in der Time. Du kannst dich ohne Rücksicht auf alles einlassen, was da kommt. Und da ich auch gern mal improvisiere, ist das der Vorteil.

Kennst Du noch Tracy Chapmann (Talking about a revolution)? Sie wurde ja berühmt, als sie beim Nelson Mandela Tribute Concert 1988 kurzfristig einen ausgefallenen Musiker ersetzen sollte. Stell Dir vor, Du wärest in der gleichen Situation. Was würdest Du machen? Welche Lieder von Dir würdest Du spielen?
Das war ein solcher Glücksfall für sie. Hammer. ich würde die Songs spielen, die mir ganz nahe sind. Da weiß ich bin ich am intensivsten.

Du bietest auch Workshops an, in denen Ich lernen kann, Songs zu schreiben. Was magst Du besonders daran, Menschen dabei zu helfen ihre Gefühle mit Musik auszudrücken?
Ich mag besonders daran, dass jeder diese Türen hat. Nur weiß er oft nicht, wie man sie öffnet. Die Kreativität in jemandem freizuschaufeln, ist ein faszinierendes Geschenk. Zu sehen, wie die Leute sich entdecken und es ihnen eine Riesenfreude macht, was sie tun ist toll. Und das hat gar nichts mit Qualität zu tun. Es geht nur um das Schreiben und erzählen an sich. Genau da, wo jemand mit seinen Möglichkeiten fließt, entsteht etwas wirklich Authentisches und Schönes.

Kann es sein, dass diese Workshops auch häufig eine Art Turbo für die persönliche Entwicklung sind? Was für Feedback erhältst Du von Deinen Teilnehmern?
Mir hat es gezeigt, dass ich auch als Autodidakt durchaus so einige Werkzeuge am Start habe, die ich so erst richtig gesehen habe. Und das feedback ist wirklich sehr wohltuend. Man kann einiges davon auf meiner Webseite lesen.

Du stehst ja schon sehr lange auf der Bühne. Gibt es noch einen Traum (oder zwei, oder drei), den Du Dir noch erfüllen möchtest?
Ich würd nächstes Jahr gern noch einmal eine schöne Platte machen. Es ist 2015, ich werde 50. Alles fühlt sich nach etwas an, dass sich abrundet. Dafür hätte ich gern ein wenig den Rücken frei. Ich werde wahrscheinlich wieder ein kleines Crowdfunding machen und wünsche mir, dass sich alles findet und das die weiterhin Menschen Freude am Luxlauschen haben.

Fotos  © Christina Lux / Frank Hoffmann

Der Text erschien im Dezember 2015 in meinem Magazin der blaue ritter.